Penthouse-Piraten

Penthouse-Piraten

Interior Design, ReDesign, Architektur, Homestaging

Rettet die alten Künste.

Halloooo zusammen. Heute wird es recht schnell gehen, keine Angst. Es kommt kein 3m-Artikel. Mir ist am vergangenen Wochenende nur so einiges durch den Kopf gegangen. Meist ausgelöst durch Gespräche oder auch einen Fernsehbericht, habe ich mich im Internet mal auf die Suche nach ein paar Photos und Informationen für Euch gemacht.

 

Es läuft halt irgendwie immer wieder auf meine Lieblingsthemen raus, egal was der Auslöser dafür ist, oder gar das eigentliche Thema. Also eben die langweiligen Inneneinrichtungen. Da muss einfach wieder mehr passieren.

Also holen wir mal etwas weiter aus: Anna hat mir vor ein paar Wochen einen Bericht zukommen lassen, den ich wohl verpasst hatte, als er auf Vox lief. Darin ging es um das grosse Geld bei Häusern, Wohnungen, Luxus in diesem Feld und eben auch den dazugehörigen Menschen. Was war ich wieder platt... Da kaufen die Leute GRILLS, also "barbecues" ...ähem... für 25.000 Ocken! Ja, richtig gelesen. Auch Küchen für 250.000.- € sind durchaus drin. Bai den meisten wurde ich den Eindruck nicht los, es ging um das pure Angeben. Weder um die Freude am Kochen, noch um sonst irgendwas.

 

 

 

Bei der Kunst ist es ähnlich. Klar gibt es einige, die gerne mal was ausgeben für einen schon bekannten, mittleren oder auch grossen Künstler unserer Zeit. Dabei werden dann auch Summen ausgegeben, die der aufgeblähte Kunstmarkt im Moment für ein Werk hergibt. Als ob in 30 Jahren noch eine alte S... (sorry) bereit wäre, für eine runde Leinwand mit exakt aufgemalten, bunten Punkten 2,2 Mio Euro zu zahlen, nur weil dieses Werk von Damien Hurst ist.  

Eher die Regel ist aber, es wird für das in hellen Beige- und Weiss-Tönen gehaltene Loft mit der unglaaaaaauuuuublich mutigen, anthrazitfarbenen Wand im Wohnzimmer ein Bild in Auftrag gegeben, das zum einen das Farbkonzept nicht stört und zum anderen gut zum Sofa passt. Kinders, Bitte aufhören damit! Erstens damit, für sogenannte moderne und/oder abstrakte Kunst viel zu viel Geld auszugeben, sofern diese nicht wirklich Qualität hat, und zweitens damit, den Kontrast zwischen Farben, zwischen Dekoration und Basis, zwischen Kunst und Einrichtung zu scheuen wie der Teufel das Weihwasser.

 

 

 

Ich erzähle Euch dies heute, weil ich, als alter Textiler einerseits natürlich immer noch eine unglaubliche Faszination für edle Textilien, als Stoffe, entwickeln kann, und weil ich mir andererseits auch Sorgen mache, dass so vieles von wichtigem Kulturgut verschwindet.

Mir sind durch ein Fachgespräch die Stoffe eines der letzten Herstellers in Europa für Brokate, Seiden, Damaste, Jacquards...also eben für die gesamte textile Oberliga untergekommen. Was es da zu sehen und zu erfühlen gibt, ist einfach nur unglaublich und hat definitiv mit Kunst zu tun. Ich spreche von der Art Stoffen, die heute fast nur noch in Schlössern, Botschaften, Villen, also immer im Zusammenhang mit Antiquitäten verwendet werden.

 

 

Wenn man das sieht, ist es klar, dass sich die meisten denken: "schön und gut, aber was soll ich mit so nem pompösen Zeug, ich wohne in einer ultramodernen Wohnung". Okay, ein Sofa oder wuchtige Gardinen in von Hand auf 300 Jahre alten Webstühlen gefertigter Seide, am besten noch in 3 Lagen, sind in der Tat einem Loft in Berlin Mitte oder Düsseldorf Medienhafen schwer vorstellbar. Aber ein schriller Stuhl als Kontrast zum 4 m langen Minotti-Sofa? Warum bitte nicht?

Oder stellt Euch doch einfach einmal den breiten Durchgang in einem schicken Indiustrie-Loft vor. Rohe, vom Putz befreite Backsteinwände, eine geniale Beleuchtung und dann zwei 60cm schmale Stoffbahnen einer solchen Ware in 2.50m hohen Rahmen links und rechts der Tür. Anstatt der doofen Barocktapete an irgendeiner Wand.... Genial! Klappt's mit der Vorstellung? 

Ich denke, interessante Kontraste und Persönlichkeit sowie eigene Ideen tun jeder Behausung gut und wenn es dabei noch hilft, alte und vom Aussterben bedrohte Handwerkskunst zu bewahren, dann kann es nur gut sein!

Also: mal ab und zu durch die monochrome Einöde zuhause gehen und die Phantasie aktivieren!

Schöne Woche. Euer Luxusschweinchen aus Genf

 

Designer-Dingsbums

Design dressoir "Paris". Entwurf von Jules & Jeremy Art & Design. Photo: julesponsioen

 

 

Designer-dingsbums.....

...oder die Inflation einer Berufsbezeichnung

 

So. Hier bin ich also mit meinem ersten Artikel. Es ist Wochenende und endlich hat man mal Zeit. Die Hähnchenschlegel für heute abend sind im Ofen, das Bad sauber und der Friseurbesuch sehr früh heute morgen bewirkt, dass sich langsam ein gewisses Siesta-Bedürfnis einschleicht. Bevor dieses jedoch vollends Besitz von mir ergreift, schreibe ich mir noch kurz von der Seele, was mir schon lange schwer auf derselben liegt.

 

Als Designer bin ich natürlich mit der Begrifflichkeit meines Berufes ständig konfrontiert und, sehr wahrscheinlich, wegen diverser Ausbildungen dem Missbrauch dieses heute so beliebten Terminus gegenüber, auch besonders empfindlich.

 

Also mal ehrlich, ist Ihnen schon mal aufgefallen, wie viel heutzutage "designt" wird? Unglaublich, wenn man bedenkt, wie schwer es der junge Abgänger einer Hochschule doch oft hat, einen vernünftigen Job zu bekommen! Sieht man sich aber mal genau um und versucht die innerhalb einer einzigen Woche auftauchenden Berufs- und Produktbezeichnungen, welche mit Design-irgendwas oder Designer-dingsbums für sich werben, zusammenzuzählen, gewinnt man schnell den trügerischen Eindruck, dass jeder zweite, der zu Zeiten als Europa noch zuhause produziert hat, zum Broterwerb in die Fabrik gehen musste, heute in irgendeinem Zweig der Kreativbranche untergekommen ist!

 

Es wird "designert" was das Zeug hält! Jemand, der noch vor wenigen Jahren eine Agentur für Veranstaltungsorganisation hatte, schimpft sich heute "Event-Designer". Klar, das Aussuchen von Tischdecken, Geschirr, passenden Schleifen und Blumenschmuck für die Jahreshauptversammlung der Handelsvertreter sollte nicht einfach simpler Bestandteil der Arbeit eines Veranstaltungsorganisators sein. Diesen akademischen Teil sollte man schon besonders hervorheben!

 

Auch der Besuch beim Frisör kann schon mal Angstzustände auf dem Bürgersteig hervorrufen. Denn beim Lesen des Schilds über dem Ladeneingang stellt man fest, dass man gar keinen Termin beim Frisör gemacht hat! Nein, nein, mit nichten! Seit der Renovierung des Ladens nennt Giovanni sein Etablissement nun "hair-design" und man fragt sich leicht eingeschüchtert, welche kreativen Auswüchse sich mein Figaro heute für mein Haupt erdacht haben mag. Gruselig...

Aber vielleicht sollte ich mich mit meiner kritischen Haltung zurücknehmen. Die - übrigens AUSSCHLIESSLICH im deutschen Kulturraum - so beliebten Kombinationen von wildkirsch-farbenen Fransen über dem linken Ohr, tiefbraunem Nacken- und weissblondem Haupthaar, dazu einem Hundeohrartigen Lappen über dem rechten Ohr, erfordern hohe Kunstfertigkeit! Und insofern sei dem Hair-designer von Herzen gedankt, wenn er es schafft, durch einen starren Blick des Gegenübers auf das Werk vom traurigen Resultat jahrelangen Konsums von Ofen-Pommes und Donauwellen abzulenken.

 

Ebenso findet man die Damen von der Manicure heute meist in sogenannten "Nail-Design-Studios", wo sie mit Akribie und Engagement so mancher Dame dabei behilflich sind, sich deutlich als Design-fern identifizierbar zu machen. Dies ist allerdings, traurigerweise, den Kundinnen selbst in den seltensten Fällen klar, was sich leicht an der während der Behandlung auf dem Boden abgestellten Billig-Kopie einer "Designer"-Handtasche erkennen lässt...

 

Über die zu "green-designern" mutierten Gartenbauarchitekten und/oder Landschaftsgärtner will ich mich jetzt gar nicht erst auslassen. Soweit zu den neuen Berufen aller Arten von Designern.

 

Noch besser sind in diesem Zusammenhang die Produkte!

 

Jeder uni-farbene Teppich mit einem sinnlosen Pinselstrich als Muster wird im XXXL-Möbelhaus zum "Designer"-Teppich. Auch wenn dieser lediglich aus dem Standardsortiment des chinesischen Zulieferers stammt und dem Einkäufer einfach gefallen hat. Egal.

Sobald ein Waschbecken rechteckig oder kubisch gestaltet ist, wird es selbsverständlich zum Designer-Waschbecken und sogar unsere allseits beliebten Fernsehmakler beteiligen sich munter am Abwirtschaften vom schon sehr malträtierten Begriff "Design". Da wird schon mal die Küche eines spiessigen 80er Jahre Landhauses in Schleswig-Holstein zur Designer-Küche, nur weil die Fronten der alten in Eiche-massiv durch glatte Flächen in hellgrau ersetzt wurden. Hä? Habe ich da etwas nicht verstanden?

 

Seit etwa 10 Jahren finden wir im Produkt-Design eine strenge, sehr auf den rechten Winkel fokussierte Formensprache, die es zuvor SO einfach nicht gab! Und natürlich waren es anfangs vor allem die grossen Designer, die auf einmal ein eckiges Waschbecken entworfen hatten oder aus dem Standard-Sofa ein 3.50m langes Loft-Möbelstück mit deutlich scharfkantigerer Optik schufen, als es bis dato üblich war.

 

Im Laufe der Jahre und nach zahllosen Kopien bis hinunter zur billigsten Massenherstellung jedoch, werden die einstmals von echten Designern kreierten Objekte zu nichts anderem, als zum Trend einer Periode, zum Zeitgeist oder ganz einfach zur Masse. Also Schluss mit dem Design-Unfug! Oder wären Sie etwa in den 70ern auf die Idee gekommen, die Schrankwand in Eiche-rustikal als "Designer-Schrankwand" zu deklarieren, nur weil dieser Stil anfangs neu war?

 

Wenn Sie also ein Möbelstück Ihr eigen nennen, das von Philippe Starck, Andrée Putman, Antonio Citterio oder irgendeinem anderen, namhaften Designer entworfen und von einer Edelmarke produziert wurde, dürfen Sie auch gerne und mit Stolz von Ihren "Designer-Möbeln" sprechen. Soviel Toleranz muss sein. Auch wenn Sie einen Designer kommen lassen, der Ihnen Ihr Badezimmer so entwirft, dass es so oder so ähnlich an keinem anderen Ort zu finden ist, haben sie ein Designer-Bad. Nur aber weil sie als Waschbecken eine weisse Salatschüssel auf weissem Brett in weisser Marmorumgebung ausgesucht haben, macht das Ihre Wahl noch lange nicht zum Designer-Bad! Auch nicht, wenn es teuer war. Es entspricht nur dem aktuellen Geschmack und zeigt, dass Ihr Badezimmer-Ausstatter wusste, was im Moment so gefragt ist.

 

Das traurige am inflationären Umgang mit Design und Designer-irgendwas ist nur, dass der Konsument jegliches Gefühl für die Wertigkeit verliert. Ähnlich wie beim Hähnchenbrustfilet für € 2.99 oder der Daunenjacke bei KIK für schlappe €15.-- (skandalös, bedenkt man die Umstände am Produktionsstandort!), versteht so mancher Kunde nicht, dass die Arbeit des Designers, ob nun in der Mode, dem Möbel- und Objektdesign oder auch bei Einrichtungen, teilweise richtig Geld kostet. Wozu 1000.- Euro pro Quadratmeter für einen Designerteppich zahlen, wenn es einen "ganzen" bei XXXL-Möbel Müller-Schultze doch schon für 200 gibt?

 

In einer Zeit, in der bedauerlicherweise viele Menschen glauben, dass Alles zu haben immer möglich sein muss, sind die Freude und die Aufregung des Wartens auf das ersehnte Objekt  gänzlich verloren gegangen. Daher wird auch in Kauf genommen, dass innerhalb einer Woche bei einem Billighersteller 300 Arbeiterinnen wegen des Einatmens von bei uns verbotenen Chemikalien am Arbeitsplatz umfallen (kürzlich in Bangladesh bei einem Zulieferer von H&M).

Ebenso wird  auch mit Design sehr viel Schindluder getrieben. Einfach nur moderne Alltagsgegenstände, frech kopiert, billig und in Masse produziert, bekommen ein "Designer" Etikett und werden zur Mogelpackung. Zwar selten bewusst, aber dennoch wissend, akzeptieren wir diesen Etikettenschwindel und helfen damit, den Qualitätsstandard zu senken und die wertvolle Arbeit kreativer Menschen abzuwerten. Unsereins bekommt diese Entwicklung fast täglich in den Preisverhandlungen mit Kunden um die Ohren gehauen.

 

So wie sich in den letzten Jahren ein neues Bewusstsein für Umweltschutz, für die Qualität von Lebensmitteln oder den Umgang mit Müll entwickelt hat und die meisten von uns bereit sind, für eine neue Qualität in diesen Bereichen auch tiefer in die Tasche zu greifen, so sollten wir wieder einen vernünftigen Umgang mit Design, mit Qualität, mit Luxus und mit Kreativität pflegen. Lasst uns das "Designer"-Waschbecken bei Obi einfach wieder "eckiges Waschbecken" nennen und geht wieder zum Frisör, Leute! Design gehört an die Wand, auf den Teppich oder an die Lampe. Nicht auf den Kopf!

 

Und jetzt habe ich ein Stück Kuchen verdient.

 

Schönes Wochende an alle!

 

Euer Luxusschweinchen Frank

 

Vorstellung

 

 

Und hier bin ich nun: Frank.

Das Luxusschweinchen mit den Standorten Genf und Ruhrgebiet (ja, dieser Kontrast ist in der Tat spannend!), der mit Anna so unglaublich viele Sichtweisen und Ansichten im weiten Feld des Designs teilt, weshalb wir uns entschlossen haben, mit diesem Blog unsere Zusammenarbeit zu starten.

Ich bin ein grosser Fan zeitgenössischer Architektur und modernen Designs, gleichzeitig aber auch ein immer wieder Verzweifelter ob der Emotionslosigkeit und der Kälte Design-orientierter Einrichtungen, vor allem im teutonischen Raum. Und dies wird auch Hauptthema meiner Posts hier sein. Durch meine Nähe und Kontakte zum französischen Sprach- und Kulturraum, werde ich versuchen, Euch hier immer wieder neue Anregungen zu liefern und zu zeigen, wie modernes Interior-Desing anderenorts interpretiert wird.

Daneben werde ich ab und zu mir wichtige Themen besprechen oder einfach nur meinen Senf zum einen oder anderen abgeben.

Viel Spass und Danke für Euer Interesse.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   

http://www.frankkungl.eu/

 

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